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Was ist Supported Employment?

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Supported Employment Schweiz

c/o IG Arbeit
Unterlachenstrasse 9
6002 Luzern

Telefon +41 (0)41 369 68 76
 

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Inhalt

AKTUELLE SPANNUNGSFELDER IN DER UMSETZUNG

Die Begriffe Supported Employment oder Job Coaching werden heute in vielen Zusammenhängen – und oft nähere Kenntnis des Modells und seiner Grundlagen verwendet. Dies kann in der Praxis zu Widersprüchen und Spannungsfeldern führen.

Wesentliche Themen sind dabei:

 

Integraler Prozess versus Modularisierung

Charakteristisch für das Modell Supported Employment ist die Integration schnittstellenübergreifender Tätigkeit in einem kontinuierlichen Prozess. Idealerweise begleitet die gleiche Person oder das gleiche Team die stellensuchende Person von den ersten Orientierungsgesprächen über die Stellensuche bis zur Qualifizierung am Arbeitsplatz. Vorbereitung und Training sind nicht getrennt von der oft schwierigen Stellensuche und Vermittlung. Damit werden gleichzeitig die Grundlagen gelegt für den anschliessenden Begleitprozess. Die verantwortliche Integrationsfachperson muss tragfähige Beziehungen zu Klienten und Arbeitgebenden aufbauen und sich mit den sozialpolitischen Anforderungen auseinandersetzen.

Nicht nur in der Schweiz zeichnet sich ab, dass aus administrativ-organisatorischer Sicht – z.B. aus der Perspektive eines Finanzierungsträgers – die einzelnen Phasen des Prozesses (Abklärung, Akquisition, Coaching nach Vermittlung) gewissermassen als Module interpretiert werden, mit deren Umsetzung man unterschiedliche Organisationen beauftragt. Dies wird z.B. mit besserer Nutzung der Ressourcen und erhöhter Flexibilität begründet, es wird auch auf die unterschiedlichen Anforderungen für die einzelnen Aufgaben verwiesen.

Die einzelnen Phasen oder Schritte im Prozess fordern tatsächlich ganz unterschiedliche Fähigkeiten von Integrationsfachpersonen. Idealerweise sind in einem Arbeitsteam darum auch Fachpersonen mit unterschiedlichen Stärken vertreten.

Wesentliche Argumente für die Kontinuität, die insbesondere im Bereich der psychiatrischen Rehabilitation auch durch entspre-chende Studien erhärtet wurden sind:

  • Aufbau und Kontinuität einer vertrauensvollen persönlichen Beziehung, die auch in krisenhaften Zeiten trägt, dies gilt in erster Linie für die stellensuchende Person, aber auch für die Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber.
  • Die einzelnen Phasen sind nicht so klar voneinander zu tren-nen: Schnupperphasen und Praktika sind z.B. gleichermassen Teil eines kontinuierlchen Assessments, wie auch der Vermittlung.
  • Die Grundlagen für eine nachhaltige Integration werden ebenso sehr durch eine differenzierte Profilerarbeitung, wie durch eine passgenaue Vermittlung und das anschliessende Coaching gelegt. Werden diese Prozesse getrennt gehen wesentliche Informationen verloren.
  • Die Akquisition und Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber ist eine Schlüsseltätigkeit. In dieser Phase werden wesentliche Grundlagen für ein anschliessendes Coaching gelegt. Ein guter Coach ist nicht nur psychosoziale Fachperson, sondern auch mit den betrieblichen Realitäten vertraut.
  • Erfolgreiche berufliche Integration stützt sich auf tragende Netzwerke. Diese müssen in der täglichen Arbeit aufgebaut und gepflegt werden. Personale Kontinuität dient nicht nur den KlientInnen, sondern ist auch vertrauensbildende Grundlage für Netzwerke mit Arbeitgebern oder therapeutisch tätige Partner.

Supported employment schweiz versteht Supported Employment als einen kontinuierlichen Prozess und misst darum der Beglei-tung und Unterstützung durch eine Person oder ein integriertes Team eine hohe Bedeutung bei.


Bezahlte Arbeit

Leistungsentsprechende Entlöhnung ist ein wesentliches Merk-mal eines regulären Arbeitsverhältnisses. Supported Employment setzt grundsätzlich voraus, dass die beschäftigte Person leistungs- und marktgerecht entlöhnt wird. Beim Erstellen eines Fähigkeitsprofils ist es jedoch sinnvoll durch Arbeitserfahrungen im Rahmen von – nicht entlöhnten - Schnupperzeiten und Praktika praktische Erfahrungen zu sammeln. Ein gleiches Vorgehen kann auch für Einarbeitungsphasen angezeigt sein.

Konstitutiv für Supported Employment ist jedoch, dass eine leis-tungsentsprechend entlöhnte Festanstellung angestrebt wird. Auch für Probebeschäftigungen und Praktika gelten die gleichen Werte und Prinzipien, sie sollten zeitlich befristet sein und keine blossen Verlegenheitslösungen.

supported employment schweiz befürwortet kreative Umsetzun-gen, legt aber Wert darauf, dass eine leistungsentsprechende Entlöhnung eines der wesentlichsten Charakteristika gesellschaftlich anerkannter Arbeit ist. Dies gilt auch für Menschen mit Behinderungen oder aus anderen Gründen erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt. Von Supported Employment kann nur gesprochen werden, wenn es sich – von zeitlich begrenzten Such- und Probephasen abgesehen – um entlöhnte Arbeit handelt.


Zusammenarbeit mit Arbeitgebenden

Der Anspruch „Eingliederung vor Rente“ bestand in der Schweiz schon immer. Etwas vereinfacht galt aber, dass Stellensuchende den durch die Unternehmer definierten Anforderungen zu genügen hatten. Andernfalls waren entsprechende Trainingsmassnahmen in einer Institution oder die Beschäftigung an einem geschützten Arbeitsplatz angezeigt.
„First place – then train“ bedeutet, dass vermehrt Menschen mit Teilarbeitsfähigkeiten, bzw. spezifischen, behinderungsbedingten Bedürfnissen eingestellt werden. Damit werden neue und ungewohnte Erwartungen an Arbeitgebende und KollegInnen am Arbeitsplatz gestellt:

  • Die konkrete Arbeitstätigkeit und der Arbeitsplatz werden an die Möglichkeiten und den spezifischen Bedarf der beschäftigten Person so angepasst, dass sie ihre Ressourcen bestmöglich produktiv einsetzen kann
  • Mitarbeitende zeigen z.B. krankheitsbedingt Verhaltensweisen (z.B.: Leistungsschwankungen, ungewohnte Belastungsgrenzen, unerwartetes Verhalten), die für Vorgesetzte neu und ungewohnt sind.

Unternehmer, Vorgesetzte und Mitarbeitende im Unternehmen spielen damit eine wesentliche Rolle im Integrationsprozess. Dies setzt voraus, dass sie als Partner einbezogen und glei-chermassen professionell beraten und unterstützt werden. Gute Job Coaches kennen und berücksichtigen deren Ziele und Bedarf ebenso, wie die der Stellensuchenden.
Supported Employment ist ein Ansatz, der grundsätzlich auf diese Schnittstellenarbeit ausgerichtet ist.
Das politisch formulierte Anliegen, dass mehr Menschen in den Arbeitsmarkt integriert werden sollen – sei es um Inklusion zu fördern oder um Mittel zu sparen – kann nicht durch die betroffenen Menschen allein umgesetzt werden